400 Menschen

Ich habe gerade kein Instagram-taugliches Bild aus meinem wunderschönen Leben. Aber vielleicht verirren sich ja einige von euch aus Versehen auch hier her. Dann könnt ihr jetzt lesen: Dankeschön! Ich finde es so cool, dass ihr schon so viele seid. Außerdem seid ihr auch eine ziemlich nette Meute. Alle sind freundlich, machen Vorschläge und äußern Wünsche. Bisher ist Youtube für mich wie eine Mischung aus Podiumsdiskussion, auf der es keinen Klatschpresse-Journalisten gibt und einer Stammtisch-Ecke. Eigentlich ziemlich genial.

Ich bin ja nicht mit diesen Erwartungen ran gegangen. Weder hätte ich gedacht, dass ich in 3 Wochen 400 Leute finden würde, die mein Geschwätz hören möchten. Am 5.1. hatte ich die ersten Follower, da habe ich wohl zufällig mit einem sarkastischen Video zum Thema “Minimalismus” einen Nerv getroffen… Noch weniger als so viele Leute hätte ich aber erwartet, dass sie auch nette Antworten geben. Ich hätte überhaupt nicht mit so vielen Antworten gerechnet. Genau das wünsche ich mir aber immer wieder vom Internet.

Das Internet hat mich in letzter Zeit ja ziemlich frustriert. Immer mehr Content, der eigentlich seiner deutschen Übersetzung nicht gerecht wird aka vollkommen geistlos ist. Tiere und Menschen, die sich weh tun, oder immer die gleichen Kontroversen. Mein Thema ist halt Umwelt. Einfach, weil es das Thema ist, wo ich mich immer wieder aufrege. Im Alltag. Über die Leute, wie sie so sinnlos vor sich hin müllen. Obwohl viele logische Schlüsse ganz einfach wären.

Im Alltag merke ich wirklich solche Sachen wie dass Leute nicht mal auf die Idee kommen, ihr Auto stehen zu lassen. Und ich merke auch oft, dass ich früher genauso war. Mir war eben eiskalt und ich war sehr gestresst. Also bin ich mit dem Auto in die Uni gefahren. Dafür habe ich allerdings vegetarisch gegessen, höhö. Naja. Im Ernst, ich denke bei all diesen Themen immer wieder: Wo ist eigentlich das Extrem? Wo ist die Grenze? Was ist gut, was hilft überhaupt in Anbetracht einer riesigen globalen Zerstör- und Müllproduziergemeinschaft? Was hilft, wenn in China massenweise Treibhausgase erzeugt werden? Was hilft, wenn in Japan alles plastikverpackt ist? Was hilft, wenn in den USA selbst die Single-Moms mit dem SUV rumfahren und in Deutschland jeder Depp mit zu viel Geld diesen vollkommen hirnlosen Trend nachmachen muss, sich aber gleichzeitig über die Einbahnstraßen-verstopfenden Radfahrer auslässt, weil er mit seinem erbsengroßen Frontallappen die Kausalkette nicht sieht?

Ich weiß nicht, was genau am besten hilft. Aber ich weiß, dass es auf jeden Fall schadet, wenn alle so weiter machen wie bisher. Ich weiß, dass es überhaupt nichts nützt, wenn den Leuten die Umwelt egal ist. Und allein deshalb, dass Ignoranz diesem Planeten und dem Leben auf ihm sofort und unmittelbar Schaden zufügt. Allein deshalb ist jeder Beitrag etwas wert, egal wie klein er ist. Jede Veränderung, die du in deinem Leben machst, ist etwas wert.

Jeder dieser 400 Menschen ist mir etwas wert. Vielleicht erreiche ich in ein paar Wochen doppelt so viele Leute. Und diese Leute erreichen ebenfalls viele Leute. Wir unterschreiben Petitionen und träumen nicht nur von einer besseren Welt.

Ich kann mir nicht vorstellen, mit meinem kleinen Beitrag ein wichtiger Mensch zu werden. Meine Beiträge sind ein kleines Rädchen. Aber wenn mir Leute E-Mails schreiben, dass sie wegen mir aufgehört haben, Joghurt im Becher zu essen, dann schreibe ich nicht als Antwort: Besser wäre, wenn du gar keine Milchprodukte mehr isst. Sondern dann freue ich mich.

Vielleicht ist das manchen Leuten zu moderat, aber ich finde, dass jede kleine Veränderung zählt. Ob ihr weniger Müll macht oder weniger Tiere esst oder weniger Kleidung konsumiert. Ihr bewegt etwas. Also lasst euch das nicht ausreden.

Es ist verrückt.

Ich habe vor 2 Wochen einen Youtube-Kanal aufgemacht. Erst mal habe ich nur daran »herum designed«. Ein Logo ausdenken, ein Banner flicken. So Zeug. Dann habe ich sehr lange überlegt, was ich als allererstes sagen soll und dabei »Matilda« von alt-J gehört und eine Brille getragen. Das solltet ihr jetzt auch tun, dann kommt die ganze Stimmung viel besser. Tja. Genau. Ich wollte was erzählen. Und was passiert, wenn man was erzählen will? Genau. Gar nichts.

Das ist wie immer mit dem Gehirn, es verhält sich eben wie ein Arschloch. Du willst lernen? Dein Hirn hat Bock auf Unterhaltung. Du willst eine Frau beeindrucken? Deinem Hirn fallen nur flache Witze ein. Du willst abnehmen. Naja. Und mit Ideen ist es auch so. Ich will mir eine Idee einfallen lassen, und das Arschloch sagt: Leck mich.

Dann, wenn ich den ganzen Tag nachgedacht und nichts zustande gebracht habe, liege ich abends im Bett und weiß nicht, wo mein Notizbuch ist. Dann fallen mir die ganzen coolen Gedanken ein und ich sage mir: Ach ja. Dieser Gedanke ist so cool, neu und witzig, den kann ich gar nicht vergessen. Und wir wissen alle, was dann passiert. Abgefahren finde ich auch, dass sich meine Gedanken wie die Wellenfunktion unter Beobachtung verhalten. Wenn ich hinschaue, kollabieren sie. Einfach weg. Man muss extrem schnell sein. Wenn ich mich dann manchmal aufraffen kann und es eben sehr sehr schnell ins Handy spreche, dann kommen davon später auch ein paar meiner Gedanken auf Youtube an. Irgendwann, wenn sie gesäubert, sortiert und aufbereitet wurden. Und wie bei Essen schmeckt es nicht jedem. Und wie bei Essen denkt man sich: Oh Mann, dann iss es halt nicht. Oder: Du magst es? Danke! Also probiere ich das weiter.

Jetzt haben wir alle Vergleiche dazu durch, oder? Naja, bei dem was an repetitivem Nonsens auf Youtube läuft muss ich eigentlich keine Angst haben, dass es jemand merkt. Oder doch? Und wenn ja, will ich es denn überhaupt, das intelligente Publikum? Habe ich nicht viel mehr Angst davor? Hm…

Auf jeden Fall finde ich es sehr sehr verwunderlich, dass schon fast 50 Leute mein Gequatsche hören wollen. Erst mal bin ich da ja allein. Ich habe nicht mal einen coolen Menschen zum Interviewen (hätte ich aber gern. Also schreib mir, wenn du mitmachen willst). Nicht mal eine Katze ist dabei (auch die hätte ich gern, aber mir fehlt der Platz). Und trotzdem scheint es Menschen zu unterhalten. Was ich daran bemerkenswert finde ist vor allem diese Pluralität unserer Gesellschaft, die das zeigt. Trotz des ganzen Mainstreams, trotz all der Sachen, die mich stören und von denen ich mir immer einbilde, nicht betroffen zu sein, trotz all dessen gibt es Leute, die in meiner Niesche sitzen. Das ist spannend.

Hier ist mein neuestes Video. Aus dem Wald bei München.

Bis bald!