Die einen reden drüber, die anderen machen’s

Nein, ich rede nicht von Sex. Jedenfalls nicht in erster Ordnung. Ich meine Emanzipation. Gerade habe ich im Internet ein bisschen Zeit verschwendet. Ich sehe mir ein sehr schlechtes Lied über weibliche Geschlechtsteile an und finde es schlecht. Das sage ich dann auch. – Hm. – Kommentieren ist halt nicht immer so ne geile Idee, wa?

Aber ich kommentiere Dinge auch meistens nicht, weil ich was Wichtiges zu sagen habe, sondern weil mir grad was einfällt, dass in erster Linie erst mal mich selber belustigt. Zum Beispiel, wenn ich wieder so ein AfD-Anhänger-Post lese. Erstens ist das in sich schon komisch (meistens reicht die Rechtschreibung), und dann kann ich auch noch was Lustiges dazu schreiben (zum Beispiel, wo in einem Relativsatz das Komma hinkommt).

Das Ding ist, dass manche Leute (zum Beispiel Leute, die dumm genug sind, eine Partei zu wählen, die die Erderwärmung nicht kapiert) das dann wieder nicht lustig finden und sich stundenlang aufregen. Aufregen… yeah.

Ich rege mich auch manchmal auf, ganz selten. Na, jedenfalls sage ich manchmal dann auch meine Meinung zu irgendwas und das hält natürlich Andere nicht davon ab, diesen einzigartigen Einfall auf weniger lustige und weniger freundliche Art zu kopieren. Vielleicht liegt es auch daran, dass manche Menschen grundsätzlich mehr Angriffsfläche bieten. Wenn man ohne Facebook schon mit 1000 Dingen des täglichen Lebens ein gigantisches Problem hat (oder einfach in Geschichte nicht aufgepasst hat), dann ist das eine gute Basis für einen langen, breiten Fettnäpfchenparcours. Augen zu und… Bingo.

Ein sehr geiles Aufregerthema für Leute, die offensichtlich zu viele Gedanken an Fettnäpfe verschwenden, ist ja auch Mann vs. Frau. Schööön… not. Da kann man in alle Richtungen ausholen und – jetzt einen Tollpatsch in Bomberjacke vorstellen – um sich schlagen.

Männer… Frauen… Ja. Einerseits diese mangelnde soziale Fairness, mit der Frauen seit Jahrhun… nein, seit Jahrtausenden konfrontiert werden. Und dann die permanente Ausbeutung. Die Kindersache (man muss welche kriegen, und sich dann aber allein drum kümmern, während der Alte sich auf der Arbeit vergnügt). Oder das Gehalt… – Kurz: Ist nicht eigentlich alles beschissener, wenn man eine Frau ist? (continued “Die einen reden drüber, die anderen machen’s”)

Keine Zeit! Keine Zeit!

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Erwachsenenleben: Wie man zu der Sache wird, die man eigentlich nicht mag und dann wieder man selbst.

Seit ich tatsächlich die Stundenzahl arbeiten muss, für die ich bezahlt werde und nicht wie an der Uni entweder das Dreifache oder ein Drittel davon, habe ich alle möglichen Zivilisationskrankheiten entwickelt.

Angefangen hat es mit dem Essen. Früher (bei dem 10-Stunden-Job, für den ich 2 Stunden was tun musste) habe ich mir noch jeden Tag ein Brot geschmiert. Dann habe ich in der Mensa gegessen. Und jetzt vergesse ich entweder ganz zu essen oder tue es in der S-Bahn, bei einem Pizza-Laden oder einer Asia-Bude (die Pausen sind nie so lang, dass man 30 Minuten Mensazeit hätte, doof, aber is halt so).

Ich packe den Laptop in den Rucksack, wo kein Platz mehr für einen Regenschirm ist und hoffe, dass es nicht regnet. Es regnet nicht, irgendwann komme ich nach Hause und dann freue ich mich auf mein Evening-Express-Paket von Amazon Prime, fuck yeah! Ich online-konsumiere natürlich keine Lebensmittel, das wäre ja der Totalniedergang. Aber ich kenne mittlerweile Leute, die das tun (in München sind alle soo furchtbar beschäftigt). Einer hat sich sogar einen Kasten Wasser nach Hause bestellt. »Kasten« steht für in Plastik eingeschweißte Plastikflaschen mit Plastikdeckel, gefüllt mit plastikhaltigem Wasser oder so… Am besten aus einem Tupperbecher trinken dann… (continued “Keine Zeit! Keine Zeit!”)

Du, ich und wir. Reisen

Bretagne rote Steinküste Panorama

Über den Opportunismus der Paarbeziehung und die Vorzüge einer Insel

Vor dem wir funktionierte Reisen für mich so: Sachen packen, in den Zug steigen, Freunde besuchen. Von Zeit zu Zeit eine von den Eltern finanzierte Reise an einen See in Bayern. Mit den Eltern. Auf Dauer ehrlich gesagt ein Grund für mich, mir eigene Reiseziele zu suchen (wie man das als »erwachsener Mensch« so macht). Allerdings fehlten mir auf meiner Entwicklung zum wettbewerbsfähigen Weltenbummler (welche sagen wir, recht unvollendet ist) einige Etappen: Ich war nie au-pair. Ich habe kein Auslandssemester gemacht. Ich war nicht mal in den USA (jugendlicher Protest gegen »Bush will meine Fingerabdrücke«). Im Grunde genommen habe ich mich in einem überschaubaren Radius um Deutschland bewegt – zwischen Barcelona und Prag.

Mich selbst hat das nie sehr gestört. Urlaub ist teuer. Und ich bin faul. Dann allerdings kamen die Männer. Einige von ihnen organisierten Urlaube in bayerischen Wäldern (warum auch das beste Bundesland der Welt verlassen?), andere versauten mir den Blick aufs Meer. Nach einer Weile findet man dann jemand Anderes und hofft, dass er der eine ist, der das nicht tut (Meer versauen und in Bayern rumgammeln).

Hinzu kommt, dass man auch schon älter ist und jetzt ein Auto hat. Das verpflichtet. Zu weiten Autoreisen. Letztes Jahr war ich in der Bretagne. 1250 km zu Auto. Jeder fährt 3 Stunden, so kriegt man den Tag rum. Wir haben das Meer angeguckt, drin gebadet (Atlantik im Herbst taugt immer für »Ich bin eine harte Sau«-Geschichten), und so Pärchen-Zeug gemacht (Frühstücken, Streiten, Nacktspaß, Fotos,… in keiner bestimmten Reihenfolge).

Jetzt ist wieder Urlaubszeit und neuer Blödsinn steht an. Wäre ich allein, wäre mein Plan folgender: Ich setze mich in mein Auto. Ich fahre los. (continued “Du, ich und wir. Reisen”)