Samstag ist Tütentag

Samstag ist Tütentag - Plastiktüten sind scheiße... ja... aber Papiertüten sind auch Müll. Besser: Gar keine Tüten.

Ich schaffe es nur noch sehr selten, gedankenlos zu konsumieren. Einfach durch die Innenstadt schlendern und irgendwelches Zeug kaufen. »Brauchen Sie ne Tüte für 20 Cent?« ist ein Satz, der bei mir eher eine innere Sinndebatte zum Wort »brauchen« als ein »Ja, danke!« auslöst. Ich gehe durch die Kaufinger Straße – wer sie nicht kennt: eine weitläufige, und doch stets überfüllte Münchener Einkaufsmeile, in der es von Urban Outfitters bis gebratene Maroni alles gibt. Mein Freund braucht Socken. Ich konnte ihn noch nicht bis zu fair produzierter lavendelfarbener Biosocke runterdiskutieren, deshalb lassen wir die Frage nach der Herkunft dieses Stückchens 9-Euro-Männerfreiheit. Ich warte vor dem Laden, den wir nur unliebevoll Kunda nennen und suche verzweifelt fotografiewürdige Motive. Das Wetter ist gut aber die Leute sind unfotogen. Viele fette Deusche, einige verschleierte Damen in tiefschwarz, einige Kinder, einige Omas, der grauharige Trinker, der jeden anpöbelt, der ihm nicht zurück »Guten Tag« sagt… Was man halt so sieht, wenn man in der Kaufingerstraße stehen bleibt und guckt. Und irgendwie hat jeder n-te eine Tüte in der Hand. – Ist das immer noch nicht abgeschafft? Selbst wenn die Tüten was kosten, stört das offenbar niemanden. Der Scheiß muss ja irgendwie geschleppt werden. Menschlich, sicher… (continued “Samstag ist Tütentag”)

Gespenster

Halloween? 3 Kleine Gespenster stehen vor meiner Tür und wollen Süßigkeiten

Ich öffne die Social Media Seite meiner Wahl und sehe überall Kürbisse und Spinnweben und die Social Media Seite selbst wünscht mir ein Happy Halloween. Danke-äh. Auch nach mehreren Jahren der Wiedereindeutschung von Hell-on-wheels(?!) hab ich mich nicht dran gewöhnt, dass es diesen Tag für Menschen gibt. Haben wir es den wandernden Fernseh-Toten zu verdanken oder einfach der Kommerzialisierung von nun ja… allem? Keine Ahnung, aber irgendwie scheint ja für viele Leute das Bedürfnis nach einem weiteren Fest, bei dem man – auf für das restliche Jahr unnütze Weise – Kohle verprassen und sich peinlich anziehen kann, real geworden zu sein. Ich ziehe dem ja Karneval vor. Das ist die erwachsene Version von Halloween. Für die Alten gibt es Feiern, Saufen, Zigaretten und ONS. Für die Kinder Kostümparty und Elfenstaub. Alles gut. Erwachsene können albern sein, Kinder einfach Kinder. Bei Halloween ist es mehr so: Alle sind kindisch, und wirklich gruselig ist das eh nicht… (Vergleiche Karneval und wenn du morgens in Köln vor 12 über die Straße gehst: Das ist gruselig, ok?) (continued “Gespenster”)

Ich kann die Wellengleichung in unter 2 Minuten herleiten. Google in unter 2 Sekunden. Wer erzeugt mehr CO2 – ich oder Google?

Ich produziere am Tag ca. 1 kg CO2. Das wären 0.7g pro Minute, oder 1.4g für 2 Minuten Rechnen. Google produziert pro Suchanfrage laut eigener Angabe 0.2g Kohlendioxid.

\left(\Delta -\frac1{c^2} {\partial_t}^2\right)\psi = 0

Traurig, dass ich schon sehr viel schlauer und schneller sein müsste, um bilanzmäßig gegen Google (noch dazu gegen Zahlen von vor Jahren) anzukommen. Noch trauriger ist aber, dass manche Menschen gar nicht googlen können (nein, wenn du bei Boolscher Operator nicht »Ja, kenn ich, klar.« denkst, dann kannst du nicht googlen). Und dass manche Leute Stunden mit Suchen zubringen, ohne schnell und zielgerichtet was Sinnvolles zu finden… Wer was Sinnvolles finden will, muss nämlich auch wissen, was er sucht, und wie in etwa das Richtige aussehen soll. Aber wenn ich gelegentlich meinen vernetzten »Ich guck das schnell nach«-Mitmenschen über die Schulter google, dann scheint es weiter als »Der Schauspieler aus Leon, der Profi hieß…« nicht zu reichen.

(continued “Ich kann die Wellengleichung in unter 2 Minuten herleiten. Google in unter 2 Sekunden. Wer erzeugt mehr CO2 – ich oder Google?”)

Blog-Nachruf: umweltblog (und was aus dem Leben ohne Plastik geworden ist)

umweltblog_header

Vor jetzt schon einigen Jahren (drei, vier?) hat das Thema Wegwerfgesellschaft, Essen im Müll, Plastik im Ozean usw. mich angefangen wirklich zu stören. Ich habe nicht wirklich viel darüber nachdenken müssen – ich denke niemand muss das. Denn das Problem sieht man sofort. Man muss nur ganz kurz mal die Aufmerksamkeit nehmen und darauf achten, wie verdammt viel man eigentlich wegschmeißt. Gerade in Sachen Verpackung. Das ist traurig. Mein Wort hierfür ist “traurig”. Dafür, wie gleichgültig es den Menschen ist, wie viel weggeworfen wird, wie selbstverständlich das passiert. Wie jeder meint, ist doch egal, ist mir nicht so wichtig, wird doch total übertrieben. Traurig.

Zu dieser Zeit, als ich darüber angefangen habe, etwas mehr nachzudenken, habe ich dann irgendwann entschieden, meine Versuche, von der ganzen Wegwerferei loszukommen, auch festzuhalten. Da die Uni eine gute Plattform (mehr Leser, irgendwie offizielles Feeling) war, habe ich einen Uniblog genommen und mit Inhalten gefüllt (blogs.fau.de/umwelt). Aber jetzt bin ich nicht mehr an der FAU und damit kann ich auch den Blog nicht mehr pflegen. Heute habe ich ihn gelöscht. (continued “Blog-Nachruf: umweltblog (und was aus dem Leben ohne Plastik geworden ist)”)

Mit Seife auf Reise (DIY Anleitung Seifentasche)

Eine hübsche kleine Seifentasche bzw. Seifenbeutel für die Reise #plastikfrei #undspassdabei <3

Eine kurze Anleitung für alle, die gern plastikfrei unterwegs sind & ihre Seife luftig transportieren wollen.

Ich oute mich mal, ich hasse es, wenn Frauen auf ihren Blogs stundenlang über ihren DIY-Kram schreiben. Ich lese das nie & suche immer sofort das Bild raus, was ich brauche, um weiterzunähen. Deshalb hier für diejenigen unter euch, denen es auch so geht: die Anleitung für Ungeduldige – und weiter unten dann das ausführliche Blabla.

Für Ungeduldige: Sofort-Anleitung in schnell

  1. Außenstoff und Futter zuschneiden nach diesem Bogen [PDF]
  2. Mit jeweils schöner Seite beide Teile aufeinanderlegen und unterem Ende (nicht die Klappe) zusammennähen.
  3. Tasche so falten wie auf Bild 3 (s.u.) und 2x Rand zusammennähen.
    Dabei Wendeöffnung lassen!
  4. Wenden.
  5. Wendeöffnung nach innen falten und mit Klemmen fixieren,
    dabei Schlaufe für Knopf mittig einlegen.
  6. Klappe an Kante mit 2,5-3,0 Geradstich absteppen. Fertig.

(continued “Mit Seife auf Reise (DIY Anleitung Seifentasche)”)

Ich hänge nicht an euch, ihr hängt an mir.

schrank

Warum ist es so schwer, sich von alten Dingen zu trennen?

Jetzt ziehe ich um. Zum gefühlten 10. Mal. In Wirklichkeit ist es nicht viel weniger. Und ich habe viel zu viel »Zeug«. Manches davon ist wertloser Schrott, anderes sentimentaler Schrott und dann gibt es die Kategorie »Zu schade zum Benutzen«, welche zu besonders perfiden Knoten im Hirn führt, sobald man die Dinge anschaut und sich fragt, ob man sie wirklich braucht.

Da wäre dieses Etuikleid für 120 Euro. Viel Geld für mich, und ich wollte es unbedingt haben. 5 kg mehr und 5 Jahre später ist das Kleid zwar immer noch klassisch, aber halt auch nicht wirklich chic. Und so behalte ich es seit 5 Jahren nur, weil es teuer war. Heute habe ich es in meine »VINTY’S-Tüte« gesteckt. Ja, richtig. Ich will kein Geld mehr dafür. Ich will nicht Stunden damit zubringen, in abgefuckten 2nd Hand Läden gesagt zu bekommen: »Hm, also wir nehmen eher teurere Mode, so bei Marc O’Polo fangen wir an preislich.«

(continued “Ich hänge nicht an euch, ihr hängt an mir.”)

Plastikfasten 2016 – Tag 14

So, damit die Aktion lebendig bleibt. Ein paar Plastikfrei-Denkanstöße zum Lebensmittel-Konsum.

plastikfasten-2016-tag-14

Schon mal …

  • … im Kühlregal nach plastikfreien Desserts gesucht? (Tipp: Rewe, Pfand-Joghurtgläser)
  • … einfach gar keine Brötchentüte genommen?
  • … wenn’s schnell gehen soll, einfach Konserven im Glas gekauft?
  • … (vegane) Brotaufstriche probiert? (ziemlich große Vielfalt, viel davon im Glas, Tipp: Alnatura)
  • … Stock-Piling probiert: z.B. Not-Knäckebrot (Tipp: Wasa, in der Papier-Packung zu haben)
  • … am Fress-Stand drum gebeten, auf zusätzliche Verpackung zu verzichten (z.B. Trennfolie Wurst)
  • … einen Coffee-To-Go Becher mitgebracht? (in einem Laden hier in München steht sogar eine Tafel “50 cent Rabatt, wenn du deinen eigenen Becher mitbringst”)?

Die Marken sind meiner Kauf-Erfahrung geschuldet und kamen mir nun mal als erstes in den Sinn. Sicher gibt’s auch andere Anbieter…

Die ewige Frühlingszwiebel

Ich weiß nicht, ob ihr Pinterest kennt. Eine Seite, auf der man viele Stunden verbringen kann. Man kann Pinnwände erstellen, fast wie im richtigen Leben. Du hängst dort allen Kram auf, der dir gerade einfällt. »Discover (, steal) and save creative ideas.« Manche Leute treiben das bis zu dem Punkt, an dem sie ihr Pinterest-Revier mit ihrem @Namen markieren, damit jeder weiß, dass sie und nur sie diesen genialen Pin »gefunden« haben. Ich hab die Seite eigentlich immer als lästig empfunden, weil man ständig bei der Google-Bildsuche auf Pinterest-Einträge stößt und dann dazu aufgefordert wird, dort mitzumachen. Sonst kommt ein fetter schwarzer Balken, der einen untersagt, weiter zu stöbern. Albern, aber funktioniert. Ich habe jetzt auch gefühlte 100 Walls und auf denen sammele ich allen möglichen Kram. Unter anderem Dinge, die ich irgendwann, in ferner Zukunft endlich einmal ausprobieren möchte. Hunderte DIY-Pläne, Tutorials und Ideen, Nähanleitungen, Garten-Bepflanzungsstrategien, Einrichtung und Weltverbesserer-Vorschläge. Meistens bleiben die Ideen auf der Ersatzbank des Lebens hinter Studieren, Arbeiten, Essen kochen zurück (ich gehöre übrigens noch zu denen, die keine einzige Fress-Wall haben). Aber manchmal klappt es auch. Zum Beispiel im Fall der immerwährenden Zwiebel. (continued “Die ewige Frühlingszwiebel”)

Plastikfasten 2016 – Tag 1 (Aschermittwoch)

Der Mittwoch ist der Tag, an dem es losgehen soll. Ich wollte das Bild vom letzten Beitrag eigentlich so im Raum stehen lassen. Aber vielleicht ist es ja eine gute Idee, jeden Tag unter ein Motto zu stellen (vielleicht nicht jeden, ich werde nicht immer online sein). Und dann drüber zu schreiben. Einige von euch Lesern haben mich angeschrieben, ob ich das machen will. Ich weiß noch nicht, ob das so viel Sinn ergibt. Ich habe zur Zeit nicht mehr so viel neue Ideen, denn ich versuche ja generell in meinem Alltag auf Plastik zu verzichten. Das meiste fällt mir also schon gar nicht mehr auf. Aber gerade deshalb seid ihr eingeladen, von euren Versuchen (auch vom Scheitern) hier zu erzählen.

Plastikfasten 2016 - Tag 1 der Aktion. Einige Impressionen zum Plastikfrei leben und wie man unnötige Verpackung vermeiden kann.

In diesem Sinne ein paar Ideen zu Scheitern. Also dazu, wie man es besser machen kann, auch ohne totalen Verzicht. Denn ich kaufe auch nicht immer plastikfrei. Weil es gar nicht geht. Denkt mal an Klopapier, Spülmittel oder Lidschatten (wobei ganz teuren Öko-Lidschatten hab ich schon mal in Papier gesehen irgendwann!). Für solche Dinge habe ich teilweise sogar Lösungen probiert, und einfach nicht für praktikable Alternativen befunden. Ich möchte deshalb noch mal hervorheben: Es geht nicht um völligen Verzicht. Es geht darum, bewusster zu konsumieren!

D.h., dass man sich die Mühe macht, darüber nachzudenken, ob der Einkauf auch umweltfreundlicher gegangen wäre. Oder ob man nur 500m weiter laufen hätte müssen für ein unverpacktes Produkt. Und so weiter.

Deshalb hier noch mal ein paar einfache Ideen, wie man auch beim Scheitern Schadensbegrenzung praktizieren kann:

  • Wenn schon plastikverpackt, dann immer eine Großpackung nehmen (weniger Müll gemessen an der Produktmenge) Beispiel: Kaffee, Reinigungsprodukte, Müsli
  • Immer überlegen, ob es nicht doch eine Selbermach-Alternative gibt. Beispiel: Sandwiches und Salat zum Mitnehmen, fast alle Fertiggerichte – ich meine »Nudeln mit Pesto« sind genauso schnell gemacht wie »Maggi Fertiggericht deiner Wahl mit Tomaten-Äquivalent« aber plastikfrei!
  • Einkaufstasche dabei? Einkaufstasche groß genug? Kleine Faltbeutel gibt es an der Kasse bei Rossmann oder dm. [1]
  • Papier-Alternativen suchen. Papier ist besser recyclingfähig als Plastik. Unbedrucktes, ungebleichtes Papier ist grundsätzlich auch noch von der Ökobilanz besser (sonst nimmt es sich leider nicht viel). Der einzige Unterschied sind dann noch die Müll-Endprodukte. Und da schneidet Plastik immer schlechter ab, da diese in den wenigsten Fällen biologisch abbaubar ist.[2] Beispiel: Brötchentüte – im Kaufland und Rewe aus Plastik, beim Bäcker aus Papier!
  • Sinnvolle Verpackungen kaufen. D.h. z.B. wenn man Plastik kaufen »muss«, dann überlegen, ob es diese Verpackung auch so gibt, dass sie nicht sofort nach dem Auspacken zu Müll wird. Stichwort: Upcycling. Beispiel: Bedruckte Lebensmittelverpackungen durch unbedruckte ersetzen, die sehen besser aus und können noch mal als Vorratsdose benutzt werden. Joghurtbecher eignen sich auch gut für ein zweites Leben als Stecklingstopf.[3]
Anmerkungen

[1] Modischere lokale Alternative für Franken: Bedruckte Beutel von Gudrun Sjöden (Nürnberg) oder: Selber nähen!

[2] Und damit meine ich übrigens auch nicht in hocheffizienten industriellen Kompostanlagen abbaubar sondern verdammt noch mal draußen in der Natur (was auch deshalb ein Kritikpunkt ist, weil selbst Kompostverfahren und “bio-abbaubar” EU-Norm teilweise gar nicht zusammenpassen und ein Einhalten der Norm deshalb mit der tatsächlichen Verwertbarkeit nicht zwangsläufig etwas zu tun haben muss – für mehr Informationen dazu siehe hier)

[3] (Wobei ich sagen muss, dass ich seit Jahren keinen Joghurt im Becher mehr kaufe, weil es den ja im Pfandglas gibt).