Gespenster

Halloween? 3 Kleine Gespenster stehen vor meiner Tür und wollen Süßigkeiten

Ich öffne die Social Media Seite meiner Wahl und sehe überall Kürbisse und Spinnweben und die Social Media Seite selbst wünscht mir ein Happy Halloween. Danke-äh. Auch nach mehreren Jahren der Wiedereindeutschung von Hell-on-wheels(?!) hab ich mich nicht dran gewöhnt, dass es diesen Tag für Menschen gibt. Haben wir es den wandernden Fernseh-Toten zu verdanken oder einfach der Kommerzialisierung von nun ja… allem? Keine Ahnung, aber irgendwie scheint ja für viele Leute das Bedürfnis nach einem weiteren Fest, bei dem man – auf für das restliche Jahr unnütze Weise – Kohle verprassen und sich peinlich anziehen kann, real geworden zu sein. Ich ziehe dem ja Karneval vor. Das ist die erwachsene Version von Halloween. Für die Alten gibt es Feiern, Saufen, Zigaretten und ONS. Für die Kinder Kostümparty und Elfenstaub. Alles gut. Erwachsene können albern sein, Kinder einfach Kinder. Bei Halloween ist es mehr so: Alle sind kindisch, und wirklich gruselig ist das eh nicht… (Vergleiche Karneval und wenn du morgens in Köln vor 12 über die Straße gehst: Das ist gruselig, ok?)

Auf jeden Fall hat mich der Novemberkarneval kalt erwischt. Ich habe nichts geplant – und ich beziehe mich damit nicht auf mein Kostüm (im Zweifelsfall gehe ich als Hobo – dafür brauche ich nur Kaffee, Kamm und Seife weglassen und eine Alditüte mit unserem Altglas mitnehmen). Nee, mein Problem ist eher eher die Vermeidung der Begegnung mit irgendwelchen Kaputten, die gerade zu viel Wodka Orange (haha, weil Kürbisfarben, sorry mir fällt kein extra Halloweengetränk ein… bitte klärt mich nicht auf) intus haben oder so… Oder auch die Begegnung mit Kindern. Ich weiß nicht, wie das jetzt läuft. Ich meine, ich kenne Martini und den Rest habe ich wie gesagt immer schön ausgeblendet. Ich wusste nicht mal, dass Martini und Martinssingen zwei unterschiedliche Sachen sind. Ich hab immer mitgemacht, wenn halt grad was war. Aber guckt mal auf Wikipedia! Es ist schockierend. – Man muss allerdings zugeben, dass die Verwechslungsgefahr bei 10. November und 11. November und Martinisingen und Martinssingen schon nicht ganz von der Hand zu weisen ist, oder? Naja. Jedenfalls… für diese Gelegenheiten hätte ich pünktlich zur Nacht der Schande (9. November) schöne, leckere Dinge eingekauft. Ich wäre vorbereitet. Aber so? 31.10. Okay… Reformationstaaaa-haaag??? War da was??

Ich stelle mir den heutigen Abend deshalb in etwa so vor: Ich sitze im Schummerlicht am Rechner in unserer Wohnung, und draußen stehen drei kleine Gespenster in ihren weißen Halloween-Burkas, die warten, dass ich rauskomme und sie mit scheiße verpackten, ungesunden Plombenziehern bewerfe. Singen die dann überhaupt? Wahrscheinlich nicht. Halloween war was Heidnisches, oder? Ich gehe nicht raus, warte bis sie weg sind und höre sie zwei Minuten später vom Weg gegenüber des Gartens rufen, dass sie mich sehen können. – Vielleicht sollte ich einen Zettel an die Tür machen: Liebe Kinder, für Schoko kommt doch am 11.11. wieder. Heute gibt’s leider nur Äpfel. Sincerely, the Ökomeal. Da wäre dann aber noch zu bedenken, dass ich ja in den Suburbs wohne und die meisten Frauen hier viel Zeit haben, gesunde Dinge für ihre Kinder zu kochen. Wenn ich sie mit Äpfeln oder Tofu-Bratlingen abschrecken wollte, könnte das also total nach hinten losgehen! Nachher hält das diese in Bio-Baumwolle gekleideten Gespenster gar nicht ab!

Ja, ihr habt’s ja erkannt, ne…? Ich bin offensichtlich Halloween-Verweigerer. Ich verbuche das unter Weihnachtswartezeit-Überbrückungskommerz. Ich brauche keine weiteren dekorativen Einjahresfliegen, in denen ich mit Phantasie lachendes Gemüse erkennen soll. Ich gebe zu, ich verstehe auch das Suchen von Eiern an Ostern nicht so wirklich. Ostern gehe ich meistens in so eine spirituelle Leidesnweg-Jesu-Ausstellung und denke dran, wie gut ich es habe. Im Ernst. Wenn schon, denn schon. – Wenn ich das erzähle, gucken mich die Leute, die Kinder haben immer total entsetzt an. Ob ich denen das auch antun würde oder so. Ich sage dann immer »Nö. Sie müssen nicht mitkommen.« Dann wird mir erklärt, was für ein Affront es doch wäre, wenn meine nicht existenten Kinder keine Eier suchen dürften, würden sie denn je existieren… Anschließend entfacht ein Glaubenskrieg zur Pflege von Bräuchen. Die Botschaft dieses Artikels sollte ja eigentlich sein: Ey, der Scheiß Kommerz nervt. Und zweitens: Man kann doch machen, was man will, warum stört es wen, wenn ich keine Lust drauf habe? Aber jetzt kam es ein bisschen so rüber, als ob ich keinen Bock auf Kinder in Kostümen hätte. Da ist allerdings ebenfalls was Wahres dran.

Naja. Ich hoffe ihr wisst, wie ich’s meine. Feiert schön und schmeißt nicht so viel Plaste weg!

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