That kind of GIRL

Sie hat es geschafft, eine ganze Serie zur »Generation Kotze« zu produzieren, ohne Handlung, fast ausschließlich ohne Charme, ohne Chic, ohne Modelmaße und komplett ohne Hirn. Trotzdem finden es viele genial. Wo ist hier der feine, kaum ohne politisch unkorrekte Äußerungen beschreibbare Unterschied zwischen »außergewöhnlich scheiße« und »außergewöhnlich gut«? An dem Punkt, an dem GIRLS anknüpft, unterscheidet das Auge wohl nur noch nach Auffälligkeit. Man muss hinsehen, es funktioniert einfach. Aber ist das genial, oder nur ein bisschen eklig?

Jenseits der Medienwirksamkeit verstörender Bilder bin ich selbst an einem Abend maximaler Demotivation dazu gekommen, diese Serie auf den Schirm zu lassen. Bevor ich Serien ansehe, lese ich, was Andere dazu schreiben, und sehe den Trailer. Ne ganze Staffel kostet immerhin 9,99 (viel Geld in Geizstudi-Land). Aber hey, was tun, wenn man alles andere schon gesehen hat? (Bücher lesen, ich hätte es wissen müssen, aber ich war dumm. Und…) Ich mag Trash eigentlich. Also, naja, ich mag sympathischen Trash – kaputten Trash, intellektuellen Trash. Ich ahnte nicht: GIRLS ist einfach Trash Trash. Ich schwöre euch, die Show ist von vorne bis hinten einhundert Prozent stumpfsinnig. Man braucht keine Angst vor Tiefgang haben. Dabei ist sie aber auch extrem langweilig und garantiert nicht unterhaltsam. Ich denke, eine Staffel GIRLS anzusehen ist effektiv gleichwertig damit, seinen Kopf einige Minuten gegen eine Wand aus Beton zu hauen. Hinterher fühlt man sich matschig, und hat Kopfschmerzen.

Die Hauptdarstellerin Hannah ist eine Loserin Anfang 20, die mehr oder weniger sich selbst spielt. Hannah, Lena, who cares. Sie spielt ein Leben, das im Prinzip nicht der Rede wert ist. Die komplette Handlung agiert auf dem Niveau von Betrunkenen auf Studentenparties erzählter Anekdoten, aber mit weniger Humor. An dieser Stelle würde ich wirklich gerne ein paar Beispiele dafür geben, was in dieser Show passiert, aber es ist so kontrastarm, dass ich mich nicht erinnern kann. Die GIRLS verlieben sich, haben Sex, machen grenzillegale Sachen, kichern, kokettieren mit dem letzten Rest an Weiblichkeit, der in diesem Gestrüpp der Rüpelhaftigkeit noch übrig ist. Das dramatischste Ereignis in Hannahs »Leben« ist vmtl., dass die Eltern ihr den Geldhahn zudrehen und sie dann muss sie plötzlich arbeiten. Skandalös. Dabei will sie doch Schriftstellerin werden. Immerhin. Das muss man Lena Dunham lassen. Nie habe ich jemandem aus einem writer’s block so viel Geld machen sehen. Es ist erstaunlich, wie man aus so wenig Scheiße so viel Gold machen kann.

In mittlerweile 5 Staffeln vögelt, pöbelt, gammelt Hannah durch die Show. Sie zeigt ihren germknödelförmigen Busen, ihre sehr präsenten Beine, die, mit ihrem enormen Hinterteil ununterscheidbar eine Masse bildend, über den Schirm wackeln, sie präsentiert ihr ganzes unförmiges Selbst, das wir  nicht kritisieren düfen. Denn das tut sie von sich aus. Sie exponiert sich in einer Art und Weise, die an der Grenze zur Obszönität balanciert, schwerfällig und wenig subtil. Doch dadurch, dass sie ihre eigene Hässlichkeit nicht versteckt, nimmt sie jede Kritik vorweg. Das ist wie jemandem einen Vogel zu zeigen, ohne einen Finger krumm zu machen.

Natürlich kann man Schönheit immer aus dem Blickwinkel der künstlerischen Wahllosigkeit sehen und Kritik mit dem Hinweis auf das Auge des Betrachters verbieten. Aber das finde ich ehrlich gesagt etwas langweilig. Kurz: Ich finde die Frau eben furchtbar, sie sieht grauenvoll aus und sie reibt einem dieses Bild ins Gesicht – “Da, guckt alle her, seht, wie scheiße ich bin. I don’t care.” Und man kann nicht wegsehen, es ist wie ein Unfall.

Aber ist dieser Unfall jetzt ein Stilmittel oder einfach Trotz? Ich habe keine Ahnung. Ich muss auch zugeben, bis zu dem Moment, in dem Lena in einer kurzen flatterigen Jumpsuit über die Straße lief, hatte ich diese Äußerlichkeiten irgendwie ausblenden können (man will ja, dass die 9,99 sich gelohnt haben und versucht, sich unterhalten zu fühlen). Aber in dem Moment habe ich abrupt ausgeschaltet. Nicht, weil ich Mitglied der Society of Skinny People bin und die Straße wechsele, sobald ein fetter Mensch mir entgegenkommt (außer es ist kein Platz mehr). Bis auf praktische Aspekte ist mir sowas im Leben ehrlich gesagt ziemlich egal. Sondern weil mir einfach flau wurde. Insofern ist GIRLS wirklich bemerkenswert, denn das hat keine horror show je geschafft, kein OP, kein Eimer voller Durchfall, den ich je wegbringen musste. Was ist nur los? Am I losing my edge? Der nach dem Stocken gerührte Wackelpudding unter dem Fake-Satin hat meinen Magen gerockt. Fast fühle ich mich mies für diesen Satz, aber wie Lena fühle ich mich der Beschreibung meiner Wirklichkeit verpflichtet. Seufz!

Naja, vielleicht ist dieser Rant ein wenig Selbst-Therapie. Ich muss dieses Bild einfach verarbeiten. Ich muss es aus meinem System rauswaschen (Jetzt bloß keine Fettfleck-Analogie erwähnen, das wäre low). Aber ich versuche irgendwie auch die Faszination zu verstehen, die Lena Dunham durch ihr mangelhaftes Wesen auslöst. Offensichtlich ist sie keine schöne Frau. Offensichtlich ist es ihr egal. Sie arbeitet damit, sie benutzt sich. Sie macht es nicht in einer klugen oder subtilen Art. Sie gibt sich entweder gar keine Mühe. Oder: Sie gibt sich extrem viel Mühe, es so aussehen zu lassen als gäbe sie sich keine Mühe. Insofern ist zwischen Genialität und Idiotie nicht zu unterscheiden. Und das irritiert mich.

Schade finde ich auch, dass diese kleine hässliche Frau nie ihr volles Potential zu mehr Niedlichkeit ausgeschöpft hat. Sie hätte das Zeug zu einer mittelmäßigen aber wenigstens charaktervollen Selbstparodie gehabt. Aber dazu fehlte es letztlich und der Zuschauer wird im Laufe der 5 Staffeln nur mit mehr und mehr mit Verstörung abgespeist. Wohl eine Verwechslung mit der Zerstörung von Possierlichkeit, die misslungen ist (weil nie dagewesen, nie kultiviert von vorneherein). Diese Äußerlichkeiten sind übrigens allein deshalb erwähnenswert, weil sie so perfekt zum Inhalt passen. Lena kann aussehen wie sie will. Aber sie hat das Vorurteil, das ihre Person rein oberflächlich provoziert, zu einem pseudo-positiven Selbstbild hochstilisiert.

Auf den Boden der Tatsachen kommt man spätestens dann, wenn man ihre literarischen Ergüsse liest. Sie sind leider doch sehr eintönig und es fehlt jede Pointe. Lena wählt den Essay als Ausdrucksform und doch mangelt es dem Ganzen an Form. Kein roter Faden. Einfach. Nicht. Spannend. Intentionaler Bogen geht halt doch nur, wenn es eine Intention überhaupt gibt. Und an diesem Punkt, rein stilistisch, ist der Verzicht auf Stil kein eigener Stil, sondern eben nur das Fehlen des selbigen. Das kann man natürlich ignorieren und so tun, als wäre alles Absicht. Aber letztlich ist das das gleiche Argument, mit dem eine langweilige Wand aus Beton ein unglaublich einfallsreiches Kunstwerk ist. Mag sein. Aber ich sehe es nicht. Ich sehe eine sehr sehr durchschnittliche Wand. Errichtet von einer Frau, die nichts zu erzählen hat. Und dann kommt sie in mein Provinzkaff und natürlich ist die Bude ausverkauft. Ich war nicht nicht überrascht.

That kind… Letztlich ist nicht mal klar, ob es diese ausgekotzte, sich selbst bemitleidende Langweiler-Generation überhaupt gibt oder ob nicht alles ein einziges Stilmittel ist, das nur einen Zweck hat. Geld zu machen. Es ist auch nicht klar, ob Lena dieser Generation angehört oder einfach nur eine einzelne Loserin ohne Charme ist. Was bleibt ist ein matschiges Gefühl, eine graue dicke Brühe. Es ist wie eine dieser Komödien, in denen alles schief geht. Die ganze Zeit wünscht der Zuschauer sich, dass es wieder gut wird (und im deutschen Fernsehen kann er auch darauf vertrauen). Aber es geht immer mehr schief. So ist es hier auch, nur dass gar nichts geschieht und man hofft, es würde. Eine Pointe, nur eine ganz kleine!

Für mich hat es immerhin das eine gebracht, ich habe mir mal wieder ein Buch gekauft und bin abgerückt von dieser albernen »Lesen ist mir jetzt zu anstrengend«-Attitüde, die einige meiner allesamt nicht Lenas Generation angehörenden Freunde neuerdings so oft zeigen, wenn’s drum geht, sich nach Arbeit oder anderem wichtigen Pseudo-Erwachsenen-Kram zu »entspannen« (was immer das ist).

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