Ich bin Minimalist, weil ich faul bin.

Ich habe kein Problem mit der grundsätzlichen Vorstellung von Besitz im Sinne von Eigentum. Eigenes haben – also Dinge, die nur mir gehören – empfinde ich sowieso als unausweichlichen Aspekt des Lebens. Sofern man nicht in einer sehr speziellen Kommune oder einem Kloster oder so lebt, ist es wohl unvermeidlich, Dinge zu besitzen. Und gar nichts zu haben bzw. alles zu teilen ist auch nicht mein Ziel. Ich teile sogar ausgesprochen ungern. Also Dinge! Wissen oder Zeit oder Freude schon!

Und auch teuren Besitz finde ich nicht »verwerflich«, solange ein gewisses Preis-Leistungsverhältnis gilt. Meiner Meinung nach ist Minimalismus ein weites Feld. In der nun langsam aber doch heranwachsenden Minimalisus-Szene gibt es dabei schon ein paar Leute, die auf dieser Palette eher am Rande der Praktikabilität leben, wenn man das so sagen mag… oder die »sehr verzichtsorientiert« sind. Ich stehe eher nicht in dieser Ecke. Minimalismus als persönliche Askese verstehen: Das tue ich nicht.



Weder ist Minimalismus für mich eine spirituelle Reise, noch irgendeine andere Art von Selbstfindungsversuch. Ich will mich weder kasteien, noch besonders ärmlich leben. Und insbesondere möchte ich mir nicht tagtäglich etwas auf mein Einfachheit einbilden. Ich finde plakativen Verzicht genauso unsympathisch wie plakativen Wegwerfkonsum. – Klar, sparsam und umweltfreundlich leben ist immer gut. Aber Angeberei mag ich einfach nicht, unabhängig vom Kontext.

Deswegen gleich vorab: Ich habe absolut keine Lust auf einen dümmlichen »Wer hat weniger«-Wettbewerb. Und die Leute, die sich daran auf Blogs, YouTube und Instagram beteiligen, können mich direkt alle mal…

Ich versuche, minimalistisch zu leben aus drei Gründen (in keiner besonderen Reihenfolge):

  • Besitz belastet mich. Leere und Freiraum entspannen mich.
  • Es ist umweltfreundlicher, weniger zu konsumieren.
  • Ich bin faul und habe keine Lust, ständig aufzuräumen. Weniger Zeug heißt weniger Unordnung.

Man kann sagen, dass ich Minimalismus als eine Art Psychohygiene betreibe. Ich mag einfach viel Besitz nicht. Ich finde es  erdrückend, die ganze Bude voller Zeug zu haben. Ich werde mich deswegen aber auch nicht auf 30 Kleidungsstücke reduzieren, oder auf 33, nur weil das gerade im Trend ist. Minimalismus ist für mich: So wenig besitzen wie möglich, und so viel wie gerade notwendig.

Die äußerliche Ordnung ist mir dabei genauso wichtig wie die im Kopf. Ich bin von Haus aus ein eher schlampiger Mensch. Wenn ich an etwas arbeiten muss – sei das ein privates Projekt, die nächste Prüfung oder ein Job – dann wird es an meinem Schreibtisch immer erst mal eine kleine Chaosexplosion geben. Und nach und nach sortiere ich mich dann. – Das Ding ist, wenn ich nicht einigermaßen minimalistisch leben und denken würde, wäre das noch viel viel nerviger. Ich habe allgemein einfach weniger Zeug und damit weniger Ärger, so wie ich jetzt lebe. Es gibt einfach gar nicht so viel, was rumliegen kann. Und ich versuche es so zu halten. Damit spare ich Zeit, Geld und Nerven.

Letztlich kann ich vmtl. viele Gründe für meine minimalistische Lebenseinstellung auf meine Faulheit zurückführen. Ich habe einfach keinen Bock, mich mit Aufräumen, Ordnung halten und anderem lästigen Besitz-bezogenem Kram zu beschäftigen. Meine Zeit ist mir dafür zu schade. Der Umgang mit Zeit ist für mich auch ein Grundaspekt von Minimalismus, aber das wären mehrere eigene Blogartikel…

Natürlich ist es auch so, dass ich eine gewisse Genugtuung dabei finde, nichts zu brauchen. Manchmal gehe ich einfach so durch ein Einkaufszentrum, gucke mich um und kaufe gar nichts. Ich mache das, um zu testen, wie es sich anfühlt, nein zu denken. Und nicht beeindruckt zu werden von diesem ganzen Prestige-Kram, Mach-dich-schöner-Kram, von all diesem Überfluss. – Aber ich möchte das nicht selbstverliebt machen. Wie gesagt, Challenges und anderer Internet-Angeberscheiß sind nicht meine Welle. Mag sein, dass ich mich über meine eigenen Ideen freue, und ich lasse mich ja auch öffentlich darüber aus. Aber ich schreibe halt einfach gern vor mich hin. Und wenn das jemand lesen möchte, warum nicht?

Der Punkt beim Minimalismus ist, sich auf das Wesentlich zu reduzieren. Oder auch: Das Maximum des eigenen Brauchens neu zu definieren. Wie viel kann ich maximal besitzen, damit es mir noch gut geht und mein Leben entspannt ist?

Vielleicht denken jetzt manche: Aber das ist doch kein Minimalismus, das ist ganz gewöhnliches Alltagsdenken. Praktisches Leben. Aber nein. Das ist es nicht. Wenn man diese Frage beantwortet und die Antwort zu Ende denkt, dann heißt das, dass man wirklich reduziert leben muss. Denn die meisten Menschen stellen sich diese Frage gar nicht.

Klar empfindet jeder mal Besitz als belastend, mistet dann ein bisschen aus und räumt auf. Vmtl. kennt jeder Mensch Unordnung und das Überwätligtsein von Kram. Für diese Überforderung gibt es aber verschiedene Lösungen. Ich meine, man kann auch einfach sein ganzes Zeug ignorieren und die eigene Logistik verbessern, z.B. indem man jedesmal den nächstgrößeren Umzugswagen mietet. Man kann machen lassen statt noch selbst in der Lage zu sein, sich um die eigenen Sachen zu kümmern. Putzfrau, Amazon und Möbelträger nehmen einem die Selbstversorgung ab…

Und sicher ist auch die Grenze dessen, was als belastend empfunden wird, für jeden Menschen anders. Aber in der Außenperspektive halte ich das sehr oft für Augenwischerei. Ich glaube, dass sehr viele Leute mehr besitzen, als sie eigentlich handhaben können und das ein bisschen Minimalismus vielen gestressten Leuten helfen könnte, sich besser zu fühlen. Ich denke auch, dass Besitz oft als Kompensationsmechanismus für fehlende Aspekte des Lebens dient. Und das rechtfertigt ihn für mich nicht. Für mich muss Besitz einem auf seine Alltagsrelevanz und ökologische Rechtfertigbarkeit reduzierten Zweck dienen. D.h. etwas muss für den Gebrauch wichtig, haltbar und nachhaltig sein. – Ein Teller hat einen Zweck für mich. Eine Blumenvase nicht. Deswegen habe ich keine.

Und damit will ich nicht sagen, dass man keine Vase haben sollte als Minimalist, sondern dass man nur Dinge haben sollte, die einen Sinn haben. Und die einem gut tun. Alles andere ist einfach Ballast.

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Blog-Artikel über Minimalismus und die Gründe dafür.

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