Umweltsäue zähmen

Wie man Menschen (nicht) von ihren umweltschädlichen Angewohnheiten abbringt. Ein kleiner Alltagsbericht.

Für die meisten Leute, die es schon länger durchziehen, ist Plastikverzicht eine alltägliche Sache. Selbstverständlich geworden. Ganz egal ob man radikal oder einfach nur bewusster lebt, also ab und zu verzichtet statt komplett, man lebt insgesamt einfach anders. Und man wird missionarisch. Denn was einem selbst nun total normal vorkommt, ist für andere absurd und viel zu anstrengend. Man selbst sieht das natürlich anders und will es den Menschen da draußen beweisen. Das ergibt nicht selten Unverständnis und genervte Reaktionen.

Menschen wollen sich nicht umstellen. Wir lieben unsere Angewohnheiten. Vom Klodeckel bis zu der Art, wie wir uns waschen. Wir machen das einfach so, ohne viel darüber nachzudenken. Wenn jetzt ein Fremder kommt und will, dass wir das ändern, dann stört das. Das ist ein Eingriff. Für manche ist das gleich ein Riesenproblem. Die fühlen sich bevormundet, zu Unrecht verurteilt und angegriffen. Da muss man echt aufpassen.

Umweltsäue sind schreckhaft und eigensinnig

Die Pirsch ist eine schwierige Sache. Millimeterarbeit. Begegnet man einer Umweltsau auf freier Wildbahn, sollte man auf keinen Fall sofort zur Jagd übergehen. Umweltsäue, man sieht es ihnen nicht an, sind wahnsinnig schnell darin, sich aus dem Staub zu machen, wenn es um für sie unangenehme Themen geht.

Es gibt so viele dieser Bullshit-Argumente, wie ich sie nenne. Ja. Bullshit. Ich finde solche Argumente einfach nur dumm. Mein Lieblingsgrund, nichts für die Umwelt zu tun, ist ja Zeitmangel. Mit “nichts” meine ich dabei sowas, wie nicht mal Papier und Restmüll zu trennen. (Über das duale System kann man ja streiten, aber Papier ist nun wirklich ein rettenswerter Rohstoff.) Zeitmangel, klar. Das Argument kommt von zwei Gruppen von Menschen in meinem Bekanntenkreis: Faule Studenten und gestresste arbeitende Leute.

Die Studenten labern üblicherweise was von “schaff ich nicht” oder “ist mir zu viel”, während die Arbeiter berichten, dass sie nach dem Job zu fertig seien, um noch auf “so Zeug” zu achten. Soso… “Die Umwelt ist also Luxus für euch? Wisst ihr, ihr seid auch Luxus für sie. IHR seid der Umwelt mal vollkommen egal. Nur, dass uns das früher oder später mal nicht mehr wurst sein kann. Und dieser Planet gehört auch mir und den vielen Millionen Menschen, denen er nicht egal ist. Also strengt euch gefälligst an und hört auf rumzuheulen, ihr verdammten Weicheier!” ← DAS ist nicht die Methode der Wahl, wenn es drum geht, eine Umweltsau zu fangen und zu zähmen!

Umweltsäue sind schreckhaft. Sie wissen irgendwo, dass sie was falsch machen. Dass sie eignetlich nur bequem sind, oder zu doof ihr Leben zu organisieren. Ich habe 5 Jahre im Schichtdienst gearbeitet, zuletzt mit 1-2 Überstunden pro Tag plus 2h S-Bahn. Macht 11-12h weg von zuhause sein pro Tag. Ich habe es geschafft, meinen Papiermüll auf einen Stapel zu tun und meine Pflanzen zu gießen und mich zu waschen. Ich habe keine Ahnung, was man für ein Mensch sein muss, um diese Trivialität von Alltag nicht gebacken zu kriegen, jemals. Wirklich nicht. Aber das laut zu sagen hilft nicht. Das Einzige, was hilft, ist den Menschen Beispiele zu geben, wie man es besser machen kann. Das ermutigt sie. Durch alles andere fühlen sie sich nur angegriffen.

Wie mit Kindern: einfach vormachen. Die kleinen Schweinchen machen es dann nach.

Diese Beispiele, die müssen auch mal praktisch sein. Die muss man manchmal selber machen. Nehmen wir meinen Freund. Ein Obstbeutel-Käufer und Duschgel-User anno dazumal. Natürlich hat der Gute nicht darüber nachgedacht, dass die Tüten im Meer landen (meine doch nicht, ich werfe sie ja in den Müll). Oder dass man sich auch mit Seife waschen kann (riecht bestimmt nicht so gut). Also muss man das Männchen mit in den LUSH-Laden nehmen und an der Nasen-Orgasmus-Seife riechen lassen und ein bisschen Überzeugungsarbeit mit dem festen Shampoo leisten. Und das geht natürlich nur, wenn man es selber auch probiert hat. Wenn man sagen kann “Das kostet zwar 5 Euro, aber es hält wirklich ein halbes Jahr.” Sonst ziehen diese ganzen Gutmenschen-Argumente einfach nicht, denn wenn es 10x unverpackt ist, es ist immer noch ziemlich teuer.

Ja. So hat das angefangen. Die ersten Säue, die ich fing, waren die Menschen in meiner Familie und meinem Bekanntenkreis. Wobei ich leider sagen muss, dass meine Eltern die härtesten Nüsse sind. Meine Mutter wirft sogar den Kaffeesatz in den Restmüll, weil sie keine Lust hat, einen stinkenden Biomüll in ihrer Wohnung zu haben. Im Erdgeschoss. Ich wohne in einem Hochhaus mit hunderten Parteien und habe meinen Biomüll auf dem Balkon. Ich kann solche Argumente nicht verstehen. Hätte ich einen Garten, hätte ich einen Komposthaufen. Soviel Zeit ist doch. Soviel Zeit muss einfach sein.

Ich muss sogar sagen, im Studium hat man viel weniger Zeit als bei der Arbeit (ich weiß es, die Heulsusen lügen). Bei der Arbeit ist die Tageszeit nur ungünstiger verteilt. Man ist halt tagsüber mit Arbeiten beschäftigt und danach muss man irgendwie einkaufen. Ein Tipp am Rande für die Säue: Die geheime Losung lautet “Wocheneinkauf” := Allen Scheiß, den man braucht an einem einzigen Tag kaufen, und dann den Rest der Woche nichts. “Und 1x tgl. Brötchenkaufen nach der Arbeit dauert nicht eine Dreiviertelstunde! Wenn du eine Dreiviertelstunde brauchst, um Brötchen zu kaufen, dann bist du einfach nur vollkommen lebensunfähig und solltest dich bei deinen Eltern beschweren. Lass dir bitte auch gleich noch erklären, wie man sich die Nase putzt und den Hintern abwischt, denn ich gehe davon aus, dass du auch diese Fertigkeiten noch nicht erlernt hast… Ehrlich.”← naja, ihr wisst schon, wie ich das meine, oder? Aber im Ernst. Manche Menschen heulen den ganzen Tag über ihre mangelnde Freizeit rum, müssen aber morgens unbedingt ne Stunde vor der Arbeit bzw. Uni frühstücken und abends noch 2h Serien gucken. Dann hab ich auch keine Zeit. Der Unterschied ist nur, dass die 5min Biomüll entsorgen mir wichtiger sind.

Aber genau das sind eben auch die Gewohnheiten und gefühlten Zwänge, die Leute davon abhält, eine Kleinigkeit zu ändern. Sie haben ja keine Zeit. Selbst das darüber Nachdenken ist ihnen zu viel. Stress. Schon klar. Wir leiden alle an Burnout und etwas zu “müssen” versetzt uns in Panik. Dazu kommt noch das Gejammer über den fehlenden Nutzen. Wandert doch sowieso alles in die Verbrennungsanlage. Ist doch eh egal, weil wir bald alle sterben. Gutmenschenkacke. Den Großteil der Umwelt versaut eh die Industrie. Klar.

Den Großteil der Umwelt versauen wir alle zusammen, weil zu viele von uns so denken und zu viele wie ich resignieren und keine Lust mehr haben, mit den Leuten zu diskutieren. Aber wie gesagt, man muss nicht immer darum streiten. Man kann es einfach vorleben und immer mal wieder sagen, dass es kein großer Aufwand ist. Immer mal ein Beispiel angeben, wie es besser geht. Und zum Beweis, dass es funktionieren kann, hier ein Ausschnitt aus der Gemeinschafts-Badeecke:

Feste Seifen und Shampoos riechen gut, halten ewig und hier steht noch, wie du deine Mitmenschen davon überzeugen kannst ;-)
Friedliche Bad-Seifen. Ein bisschen Missionsarbeit erfordert es schon, seinen “significant other” von Duschbad & Co. abzubringen. Aber es geht. qed.

PS. Wem das nicht Motivation genug ist, der kann sich auch gerne meine #plastikfrei Pinnwand reinziehen. Da sind viele alltägliche Produkte und Ideen drauf, wie man ein bisschen Plastikmüll bzw. Müll im Allgemeinen reduzieren kann.

#enjoy!

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