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Ich kann Neugier verstehen. Also bitteschön…!

Ich bin 32, wohne in München, studiere in München, hasse Einkaufen in München. Ich lebe nicht zero waste und nicht vegan (meiner Meinung nach ne sehr anspruchsvolle Kombination, hab aber andere Gründe). Mein Lieblingsessen? Salbei-Butter-Nudeln. Natürlich Bio (Die Milch habe ich selbst aus einer freilaufenden Kuh gestreichelt und anschließend im Butterfass gemacht, der Salbei kommt aus dem Garten). Okay, zugegeben, ich finde nicht nur Einkaufen in München nervig, sondern auch Moralpredigten. In 5 Jahren Vegetariertum hab ich die selber oft genug gehalten. Muss ich nicht mehr haben.

Ich bewundere diese Blogger (oder auch nicht), die ein einziges Ökoding ganz straight durchziehen. Ich finde, das geht gar nicht. Bei jeder neuen Umweltaktion tun sich doch 3 neue Widersprüche auf. Lässt man hier was weg, muss man dort was dazu tun. Bio-Rohrzucker, schön braun und fair gehandelt, gibt’s viel öfter in unnötigen Verpackungen als den normalen aus Rüben. Welcher ist jetzt böse? Genau solche Fragen stelle ich mir oft. Aber sie bleiben auch häufig ohne Antwort. Ehrlich, ich habe die Zeit nicht.

Vor ner ganzen Weile habe ich trotzdem angefangen, meine Überlegungen und Alltagsideen festzuhalten, auf dem “FAU umweltblog” (Webspace von meiner ehemaligen Uni in Erlangen). Erfreute sich einiger Beliebtheit, wenn auch wenig gepflegt. Der ist jetzt zu (bin nicht mehr dort) und die Ideen sind alle in die Versenkung gewandert. Dann irgendwann dachte ich: Okay, schreib’s wieder auf. So kam’s dann mit dieser Seite. Mein Anliegen mit dem FAU umweltblog war zu der Zeit aber, studentengerechtes Umweltbewusstsein zu fördern. Alltagstipps, wie man z.B. Plastikprodukte ersetzen kann, wo man Verpackungen sparen kann usw. Und es sollte bezahlbar sein.

Jeder hat ja so seine Prinzipien. Ich zum Beispiel kaufe lieber lokal-saisonal als “bio”. Erstens gibt es viele Biosachen, die durch die ganze Welt geschippert werden. Das kann’s auch nicht sein… Zweitens gibt es viele gute Erzeuger, die einfach (noch) nicht zertifiziert sind. Drittens sind Zertifikate eh so ne Sache (siehe total veraltete EU-Norm für kompostierbare Tüten… ich lach mich tot…).

Man muss einfach alles differenziert betrachten. Und nicht verurteilen. Dieses ständige »Ich bin besser, lebe bewusster, esse nachhaltiger, kacke anständiger…« das ödet mich ehrlich gesagt ziemlich an. Ich möchte euch lieber vor machen, was eine Möglichkeit ist, seinen Lebensstil zu ändern. Aber ich bin nicht perfekt und ich bezweifle sehr stark, dass es den einen richtigen Lebensstil überhaupt gibt. Letzten Endes geht dieser Gedankengang ja so weit, dass man in Konsequenz aus Umweltbewusstsein jedes Plaisir weglassen müsste. In die Alpen kannst du nicht mehr – sind schon kaputt genug. Fliegen sollst du nicht – zu viel Treibstoff. Beides übrigens Sachen, die ich vermeide (Abfahrt-Ski kann ich eh nicht und Fliegen halte ich echt für krass dekadent). Aber das sind ja noch Extrembeispiele. Viele Leute gehen dann immer weiter und machen teilweise schwachsinnige Sachen. Ein Kumpel von mir, seinerseits Veganer, hat seine alten Lederschuhe entsorgt, weil er keine Tierhaut tragen wollte. Finde ich persönlich pathetisch und sinnentleert. Erstens ist das Tier schon tot, zweitens steh dazu, dass du mal kein Veganer warst. Drittens, was für eine Verschwendung von guten Schuhen? Das ist nicht nachhaltig, Dinge wegzuwerfen, die man weiter nutzen könnte, nur weil sie in der neuen Clique uncool rüberkommen. Das ist dämlich. (Schuhe find ich übrigens ein super Beispiel – weil’s eben dran gescheitert ist, sie zu verschenken… wer will schon getragene Schuhe? Und was mit den meisten Sachen in der Kleiderspende passiert, ahnen ja die meisten…).

Naja. Anekdote genug. Ich find’s jedenfalls nach wie vor schwer, da den einen perfekten Weg zu gehen. Ich gehe einfach meinen Weg. Und der bedeutet erstemal: weniger Müll machen. Bewusster einkaufen. Sinnvoll und gesund einkaufen. Und dafür sorgen, dass andere Leute drüber nachdenken und ggf. Dinge nachmachen. Und auch: Dass andere Leute mit mir diskutieren und mir sagen, was sie für sinnvoll oder nicht sinnvoll halten – sodass ich auch die Möglichkeit habe, meine Ideen zu überdenken. Das is mein Ding.

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